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Ich konzentriere mich auf die Arbeit

Ab 16.02.2012 im Kino

Nach „Der Vorleser“ ist David Kross in Steven Spielbergs „Gefährten“ zum zweiten Mal in einer großen Hollywood-Produktion zu sehen. Über den großen Teich zieht es den Nachwuchsschauspieler dennoch nicht. In Deutschland gibt es ohnehin genügend spannende Projekte und interessante Filmemacher. Zum Beispiel Detlev Buck, der bereits drei Filme mit dem 21-Jährigen realisiert hat. EVENTS hat mit Kross über seine Beziehung zu Pferden, den Ersten Weltkrieg und Hollywood gesprochen.


Herr Kross, in „Gefährten“ spielen Sie einen Charakter, der in der Romanvorlage gar nicht vorkommt.
Ja, ich spiele den deutschen Soldaten Günther, der mit seinem Bruder im ersten Weltkrieg kämpft. „Gefährten“ handelt von einem Pferd namens Joey und der Film wird aus dessen Perspektive erzählt. Irgendwann landet Joey bei den Deutschen. Hier trifft er auf Günther, der ein großer Pferdeliebhaber ist. Er ist begeistert von Joey und kümmert sich um ihn.

Wie ist Ihre persönliche Beziehung zu Pferden?
Ich bin selbst bis zum 12. Lebensjahr geritten. Dann hörte ich damit auf und hatte keine Beziehung mehr zu Pferden. 2 Monate vor Drehbeginn habe ich in London nochmal Reiten geübt. Ich konnte dabei die Liebe zu Pferden und die Leidenschaft für das Reiten verstehen. Es hat großen Spaß gemacht.
Hat sich Ihre Einstellung zu Pferden durch Film und Roman geändert?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe gelernt, dass Pferde sehr sensible Tiere sind. Sie haben Gefühle und spüren die Emotion des Reiters. Wenn dieser Angst hat, dann überträgt sich diese auch auf das Pferd.

Was empfanden Sie bei der Arbeit mit Steven Spielberg?

Am Anfang war ich wahnsinnig nervös. Auf der anderen Seite habe ich mich auf die Zusammenarbeit gefreut. Spielberg ist ein sehr angenehmer Mensch. Er ist sehr locker, kann bei der Arbeit aber auch verspielt sein. Man merkt, dass er seinen Job wahnsinnig liebt und ihn auch beherrscht.

Er ist aber auch sehr erfahren und ein Perfektionist. Hat Sie das nicht unter Druck gesetzt?
Ja, den Druck hatte ich mir selber aufgebaut, aber den hat mir Spielberg schnell genommen.


Seit „Der Vorleser“ weiß man, dass Sie sich akribisch auf Ihre Rollen vorbereiten. Wie haben sie sich für „Gefährten“ vorbereitet, abgesehen von den Reitstunden?
Ich habe mir viele Bilder und Videoaufnahmen vom Ersten Weltkrieg angesehen. Ich wollte mich in die Gesichter und die Stimmung der Soldaten hineinversetzen und mir ein Bild des Krieges verschaffen. Es war ein Krieg, bei dem Maschinen ganze Menschenmassen umbrachten. Früher kämpfte Mann gegen Mann, Pferd gegen Pferd. Im Ersten Weltkrieg kämpften plötzlich fünf Maschinengewehre gegen 1.000 Soldaten. Da wurde mir erst die grenzenlose Brutalität des Krieges bewusst. Das macht „Gefährten“ so aktuell. Er zeigt, wie die moderne Kriegsführung unzählige Menschen tötet.

Nach „Der Vorleser“ ist „Gefährten“ Ihre zweite große Hollywood-Produktion. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Vieles hat mit Glück zu tun. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Außerdem muss man sehr diszipliniert sein. Zwischen „Der Vorleser“ und „Gefährten“ liegen vier Jahre. In dieser Zeit habe ich einiges dazu gelernt. Außerdem habe ich eine recht entspannte Einstellung zum Beruf und bin nicht allzu sehr auf Karriere-Machen ausgerichtet.


Konnten Sie auch nach dem Erfolg von „Der Vorleser“ so gelassen bleiben?
Nach „Der Vorleser“ war ich schon einem recht starken Druck ausgesetzt. Aber man muss damit umgehen können. Außerdem lenke ich meine Aufmerksamkeit auf die Arbeit und die Geschichten, in denen ich spiele.


Streben Sie eine Hollywood-Karriere an?
Natürlich freue ich mich über die Möglichkeit, in einem Hollywood-Film mitzuspielen. Vor allem wenn es sich dabei um tolle Geschichten und interessante Rollen handelt. Aber ich strebe nicht bewusst eine Karriere in Hollywood an. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dorthin zu ziehen. Danach fühle ich mich im Moment einfach nicht.


In Deutschland haben Sie bereits drei Filme mit Detlev Buck gedreht. Ist das Verhältnis eine rein kreative Partnerschaft oder auch persönlicher Natur?
Ich würde sagen, die Partnerschaft geht schon über die Arbeit hinaus. Buck ist sehr menschlich und herzlich und geht entsprechend auch mit seinen Mitarbeitern um. Es war eine Zusammenarbeit, die mich sehr geprägt hat.

Ihre Rolle in „Knallhart“ sollen Sie durch die Vermittlung seiner Tochter bekommen haben. Können Sie das näher erläutern?
Bucks Frau und meine Mutter sind befreundet. Irgendwann sprachen sie darüber, dass ich auch Theater spiele. Buck befand sich damals mitten im Casting-Prozess von „Knallhart“. Ich sprach gemeinsam mit seiner Tochter in seiner Wohnung vor, wobei er uns mit der Kamera filmte. Das gleiche Casting fand später in Berlin mit anderen statt. Weil es gut lief, habe ich die Rolle bekommen.

Sie haben bis jetzt noch in keinen Fernsehproduktionen mitgewirkt. Woran liegt das?

Ich lehne die Arbeit für das Fernsehen nicht kategorisch ab. Mir ist bewusst, dass hier interessante Sachen entstehen. „Tatort“ zum Beispiel finde ich sehr spannend. Aber mein Interesse gilt zurzeit vor allem dem Kino.


Gefährten -  Facts & Figures

- Drama
- UK/USA 2010
- Regie: Steven Spielberg

- Darsteller: Jeremy Irvine, Peter Mullan, Emily Watson, Niels Arestrup, David Thewlis, Tom Hiddleston, David Kross
- Bundesstart: 16. Februar 2012


Mit der Romanadaption "Gefährten" möchte Steven Spielberg anhand des Schicksals eines Pferdes das Grauen des Krieges zeigen. Leider scheitert er jedoch an seiner zu konventionellen Dramaturgie. Das Kriegsepos ist trotz seines Anspruchs zu einem melodramatischen Rührstück geraten.

 

 

Autor: red.

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