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Das Teehaus Potsdam wird in diesem Jahr 30 Jahre alt. Ein stolzes Alter in einer Zeit, in der Innenstädte ihr Gesicht oft halbjährlich wechseln. Doch während der Laden Beständigkeit ausstrahlt, weht hinter dem Tresen ein frischer Wind: Tom Karnstedt hat das Zepter von Gründerin Ute Benecke übernommen.
Wer die Jägerstraße 41 betritt, lässt das Treiben der Potsdamer Innenstadt augenblicklich hinter sich. Hier riecht es nach der ganzen Welt: Rooibos aus Südafrika, Mate aus Brasilien, Pflückungen aus Nepal. Die Teeregale reichen fast bis unter die Decke, der Laden wirkt wie die Kulisse eines modernen Märchens aus 1001 Nacht – oder wie ein sehr gut sortierter Kaufmannsladen der Jahrhundertwende.
Eigentlich wollte Tom Karnstedt seinen eigenen Laden mit eigenem Konzept eröffnen. Doch wie das Leben so spielt, führte ihn der Weg über den Potsdamer Lotsendienst zu einer alles verändernden Nachfolge-Annonce. „Der Laden war so, wie ich ihn mir erträumt hatte“, erzählt er. Viele seiner eigenen Ideen – wie das beliebte Schnupperregal, an dem man die Aromen entdecken kann, ohne die Frische des Verkaufstees zu beeinträchtigen – gab es hier bereits.
Für den 33-Jährigen ist Tee mehr als ein Heißgetränk. Es ist ein Handwerksprodukt. „Mich faszinieren die feinen Unterschiede. Man kann die Handschrift der einzelnen Teegärten förmlich herausschmecken“, sagt er mit Begeisterung. Die Liebe zum Tee sei bei ihm langsam gewachsen, genau wie ein guter Aufguss, der Zeit braucht, um seinen Charakter zu entfalten.
Zwischen Tradition und Moderne
Das Teehaus-Sortiment schlägt die Brücke zwischen dem schnellen Genuss im Alltag und der hohen Kunst der Teezeremonie. Von robustem Gusseisen bis zu hauchzartem Porzellan findet man hier alles, was die sonntägliche Tafel bereichert. Ergänzt wird das Angebot durch Süßigkeiten und Geschenkartikel aus kleinen deutschen Manufakturen. Tom Karnstedts Philosophie ist dabei so klar wie ein guter Darjeeling: Frische vor Lagerhaltung. Lieber öfter kleine Chargen nachbestellen, damit das Aroma beim Kunden zu Hause noch die volle Kraft entfaltet. Es geht um Qualität, Gesundheit und die Wertschätzung für eines der ältesten Handelsgüter der Welt. Mit diesem arbeiten zu dürfen, darauf ist er stolz.
In einer Welt, die sich immer schneller dreht, ist das Teehaus ein wohltuender Ankerpunkt – und der wahrscheinlich letzte Teeladen in der Innenstadt. Hier wird nicht nur verkauft, sondern beraten, gefachsimpelt und auch innegehalten. Potsdam darf sich glücklich schätzen, dass diese Institution erhalten bleibt. Und wer Tom Karnstedt in seinem Reich begegnet, merkt schnell: Hier ist jemand angekommen, der nicht nur ein Geschäft führt, sondern eine Tradition weitergibt. F. Brinkmann
Teehaus Potsdam, Jägerstraße 41, 14467 Potsdam, Öffnungszeiten: Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–13 Uhr, Tel. (0331) 28 00 561, kontakt@teehaus-potsdam.de, www.teehaus-potsdam.de



