© Phil Hessler
Sophia begeistert ein Millionenpublikum – ob mit emotionalen Balladen, die ganze Generationen verbinden, oder beim Singen der Nationalhymne vor einem ausverkauften Stadion. Mit ihren authentischen Texten spricht sie vielen aus der Seele und beweist, dass es wahre Stärke ist, auch mal Unsicherheiten zu zeigen. Anfang August kommt Sophia mit ihrer „Durch die Blume“-Tour für ein Open-Air-Konzert ins Waschhaus. Wir sprachen vorab mit ihr über Selbstzweifel, ihren Bezug zu Potsdam und den Mut, einfach anzufangen.
Sophia, du wohnst in Berlin. Warst du vorher schon einmal in Potsdam und hast du an Tour-Tagen Zeit, dir die Stadt anzusehen?
Ich war schon öfter in Potsdam! Berlin ist für mich oft sehr laut und viel, da ist Potsdam ein total schöner Ausgleich. Ich fahre mega gerne mit meinem Hund oder meinen Freundinnen rüber, um Kaffee zu trinken oder an einem Samstag einfach voll schön durch die Straßen zu schlendern. An den Konzerttagen selbst ist allerdings immer so viel los, da vergeht die Zeit so schnell, dass für Ausflüge leider keine Zeit bleibt.
Deine neue Single „Fremd auf der Party“ beschreibt das Gefühl, mitten unter Leuten zu sein und sich trotzdem einsam zu fühlen. Warum war es dir wichtig, diese verletzliche Seite von dir zu zeigen?
Mir ist es einfach super wichtig, in meinen Songs ehrlich zu sein. Auf Social Media sieht es oft total cool aus, wenn man auf vielen Events mit vielen Leuten ist. Aber oft bin ich dort und fühle mich gar nicht wohl. Man vergleicht sich automatisch und fühlt sich irgendwie fehl am Platz. Statt auf dem roten Teppich wäre ich manchmal viel lieber ganz entspannt mit meinen Freunden in einer Kneipe. Florian Künstler, mit dem ich den Song gemacht habe, ging es genauso. Da merkt man erst, wie viele Menschen dieses Gefühl teilen.
Du standest als Teenager durch eine TV-Castingshow schon einmal im Rampenlicht. Hat dich diese Erfahrung für deinen heutigen Weg geprägt?
Das fühlt sich für mich wie ein komplett anderer Lebensabschnitt an. Es war eine coole Erfahrung, aber in der Schule war mir die Aufmerksamkeit unangenehm. Jugendliche können natürlich auch sehr gemein sein. Das ging dann so weit, dass ich danach lange gar nicht mehr gesungen, sondern erst einmal studiert habe. Irgendwann habe ich mich dann aber doch gefragt: „Was wäre, wenn du drangeblieben wärst?“ Deshalb war es rückblickend genau der richtige Weg, später noch mal ganz neu mit der Musik zu starten.
Wenn man Videos von deinen Konzerten sieht, liegen sich oft Mütter und Töchter in den Armen. Auch meine Mama hat mir und meinen Schwestern diesen Song total ans Herz gelegt. Wie fühlt es sich an, wenn deine Musik zu einer Hymne wird, um sich gegenseitig Mut zuzusprechen?
Das ist so schön! Bei Konzerten sieht man erst richtig, was für einen Einfluss Musik hat – das zeigen bloße Streaming-Zahlen ja gar nicht. Teilweise stehen da drei Generationen zusammen im Publikum, das hätte ich mir nie träumen lassen. „Schmetterling“ war zum Beispiel ursprünglich ein Weihnachtsgeschenk an einen Zuhörer aus meiner Community, dem ich aus seiner Geschichte einen Song gemacht habe. Oft denkt man bei Selbstzweifeln ja, man sei damit ganz allein. Aber auf der Tour merkt man dann: Du kannst allein zum Konzert hingehen, aber du bist dort nie allein.
In „Schmetterling“ singst du auch davon, sich von Menschen freizumachen, die einen bewusst kleinhalten wollen. Was gibt dir in solchen Momenten deine Farbe zurück?
Das ist natürlich leichter gesungen als getan! Anderen kann ich super Tipps geben und für sie da sein, aber bei mir selbst fällt mir das Umsetzen oft viel schwerer. Wichtig ist für mich, immer mal aus meiner Berlin-Bubble rauszukommen.
Wenn ich mit meiner Familie oder Freunden im Urlaub bin, merke ich schnell wieder: Das ist es ja, worum es im Leben eigentlich geht – und nicht das, was irgendjemand, den ich gar nicht kenne, mir auf Instagram schreibt.
Was möchtest du jungen Menschen mit auf den Weg geben, die große Träume haben, sich aber vielleicht nicht trauen, den ersten Schritt zu gehen?
Ganz wichtig ist: Einfach machen! Man darf sich nur nicht in Perfektion verlieren oder darauf warten, dass plötzlich jemand anklopft und einem einen Plattenvertrag hinlegt. Mein Motto ist da immer: Lieber okay gemacht als gar nicht gemacht!
Du hast beim ersten NFL-Spiel in Deutschland vor einem Millionenpublikum die Nationalhymne gesungen. Was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?
Der Gedanke, der am allerprägnantesten in meinem Kopf war: Sing nicht den falschen Text! Bitte kein Textfehler! (lacht) Es war schon krass, da zu stehen wie ein kleiner Minipunkt zwischen so vielen Menschen. Das war auf jeden Fall ein sehr krasses Gefühl und definitiv der Auftritt, bei dem ich bisher am aufgeregtesten war.
Hast du für deine Musik noch bestimmte Ziele oder lebst du eher nach dem Motto „Go with the flow“?
Ehrlicherweise versuche ich tatsächlich eher, im „Go with the flow“-Modus zu bleiben. Ich habe in letzter Zeit drei Alben sehr kurz hintereinander rausgebracht, deshalb will ich mir jetzt erst einmal wieder Zeit nehmen, um in Ruhe neue Musik zu schreiben. Langfristig ist mein größtes Ziel, noch mehr Menschen zu erreichen, und dass ich diese Leidenschaft für die Musik noch ganz lange leben darf!
Sophia – „Durch die Blume“-Tour Open Air, 01.08., 20 Uhr, Waschhaus, Eintritt: VVK 55,40 Euro, www.wildfiremusic.de/shows/potsdam_sophia

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