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Die Hamburger Band gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Rockbands. Mit klugen Texten und einem wandelbaren Sound hat Tocotronic über drei Jahrzehnte hinweg Musikgeschichte geschrieben.
Wie kaum eine andere deutsche Band haben Tocotronic ein vielseitiges Gesamtwerk geschaffen. Ihre Musik und Texte entwickeln sich stetig weiter, greifen dabei aber immer wieder vertraute Themen und Motive auf. Alte Ideen werden neu betrachtet, verändert und hinterfragt. So bleibt die Band ihrer eigenen Geschichte verbunden und reagiert zugleich immer wieder auf die Veränderungen der Gegenwart.
Diese Entwicklung beginnt 1995 mit „Digital ist besser“: Rauer, direkter Gitarrenrock trifft auf kluge, pointierte Texte, deren Slogans schnell zum Soundtrack einer Generation werden. Mit „Nach der verlorenen Zeit“ und „Wir kommen, um uns zu beschweren“ wächst die Band aus der Hamburger Clubszene heraus und erobert größere Bühnen. „Es ist egal, aber“ erweitert 1997 den zunächst ungestümen Sound um Mundharmonika und Streicher – ein erster Hinweis auf die musikalische Entwicklung, die noch folgen sollte.
Mit „K.O.O.K.“ wird der Sound 1999 dunkler und wuchtiger. Auf dem selbstbetitelten „weißen Album“ von 2002 öffnen Tocotronic mit opulenten Arrangements und rätselhaften Texten neue Klangwelten. „Pure Vernunft darf niemals siegen“ markiert 2005 den nächsten Schritt: Mit Rick McPhail als zweitem Gitarristen wird der Sound noch vielschichtiger. Die Band entwickelt zunehmend ihre eigene musikalische Sprache – und setzt diese Reise über die folgenden Alben immer wieder neu fort.
Auch das jüngste Album „Golden Years“ (2025) knüpft an diese lange Entwicklung an und richtet den Blick zugleich nach vorn. Es handelt vom Altern, vom Glück der Reife und von der Angst vor dem Tod, vor allem aber vom unaufhörlichen Wiederanfangen, von Selbstbesinnung und der Hoffnung auf Veränderung. Es erzählt von vergangenen und bevorstehenden Reisen, von der Sehnsucht nach Heimkehr und Sicherheit und vom Vertrauen in die Zukunft. „Golden Years“ zeigt eine Band, die sich immer wieder neu erfindet und dabei ihrem eigenen Kern treu bleibt – erkennbar gerade in der Veränderung. Vielleicht liegt darin auch ein Grund, warum Tocotronics Musik nach mehr als drei Jahrzehnten noch immer so viel Glück und Trost spenden kann. A. Schicketanz
Steckbrief:
Bandmitglieder: Dirk von Lowtzow (Gitarre und Gesang), Jan Müller (Bass) und Arne Zank (Schlagzeug)
Gegründet: 1993 in Hamburg
Veröffentlichungen und Auszeichnungen:
• 14 Studioalben
• 4 Auszeichnungen u. a. 1LIVE Krone – „Bester Plan B Act“ (2010) oder Preis für Popkultur in der Kategorie „Lieblingsalbum“ für „Nie wieder Krieg“ (2022)
Tocotronic „Golden Years“, 04.09., 20 Uhr, Waschhaus, Eintritt: VVK 45 Euro, www.waschhaus.de
