© A.Witt
Drei Frauen, drei Lebensentwürfe und doch dieselbe Überforderung. Das Theaterstück „Unerhört“ hinterfragt mit Humor und Ernsthaftigkeit gesellschaftliche Erwartungen und thematisiert, was es wirklich braucht, um frei und authentisch zu leben. EVENTS sprach mit der Regisseurin Anja Panse.
In Florentine, Sabine und Amanda stehen drei verschiedene Frauenbilder auf der Bühne. Möchten Sie damit zeigen, was man als Frau alles sein kann, und wie das alles miteinander vereinbar sein soll?
Die drei Figuren stehen für unterschiedliche Rollenbilder, die Frauen heute angeboten werden. Interessant war für uns, dass keines dieser Modelle wirklich aufgeht. Obwohl sie sich für verschiedene Lebenswege entschieden haben, sind alle drei unzufrieden und überfordert. Damit möchten wir bewusst die gesellschaftliche Illusion hinterfragen, dass Karriere, Familie, Selbstverwirklichung und permanente Attraktivität problemlos miteinander vereinbar seien.
Das Frauenbild an sich ist im Wandel. Sind die heutigen Frauen mit ihrem Handeln und Denken kompatibel mit der Gesellschaft?
Ich glaube nicht, dass Frauen grundsätzlich inkompatibel mit der Gesellschaft sind – vielmehr ist die Gesellschaft selbst voller widersprüchlicher Erwartungen. Frauen sollen unabhängig, erfolgreich und selbstbewusst sein, gleichzeitig aber fürsorglich, verfügbar und emotional stabil. Egal für welchen Weg man sich entscheidet, es entsteht immer ein Mangel an einem anderen Punkt.
Was sind die Stärken von Frauen?
Empathie, Intuition und emotionale Intelligenz gehören zu den großen Stärken von Frauen. Sie ermöglichen nicht nur zwischenmenschliche Nähe, sondern auch Konflikt-fähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Gerade in einer Welt, die stark auf Rationalität und Effizienz ausgerichtet ist, sind diese Qualitäten ein wichtiges Gegengewicht.
Es kommt erst nach einigen Aufwärmgesprächen zum emotionalen Seelenstriptease. Warum fällt es so schwer, sich wirklich zu öffnen?
Es bedeutet, die Kontrolle aufzugeben und Unsicherheit zuzulassen. Das erfordert Vertrauen – und das ist im Alltag selten vorhanden. Gleichzeitig leben wir in einer Kultur, in der innere Krisen pathologisiert werden. Das Stück stellt deshalb die Frage, ob wir nicht verlernt haben, einander zuzuhören – und ob emotionale Offenheit nicht die radikalste Form von Menschlichkeit ist.
Sie verbinden Ernsthaftigkeit, Witz, persönliche Ängste und Bedürfnisse. Wie geht das zusammen im Alltag?
Für das Triple A Theater ist Humor eine essentielle Angelegenheit. Kein Theaterstück ohne Humor! Humor hilft, die Dinge zu sehen, wie sie sind, und dennoch über sich selbst oder die Situation lachen zu können. Humor erhält unsere Lebensfreude. Mit Witz und Leichtigkeit lassen sich auch schwierige Themen transportieren. Ist nicht das ganze Leben ein Wechselbad der Gefühle? A. Schicketanz
Steckbrief:
Name: Triple A Theater aus Potsdam
Darstellerinnen: Julia Berke, Anna Keil und Anja Panse
Text und Regie: Anja Panse
Special: Humor und die Entwicklung eines neuen Genres – das Histopical. Historische Themen werden zum aktuellen Geschehen in Szene gesetzt.
Inszenierungen: Dante Reloaded, Moralinsüß, Clara Z – Kämpfen, wo das Leben ist und Peace Food oder Die letzte Suppe
„Emanzipation bedeutet nicht, ein neues Ideal zu erfüllen, sondern sich von Idealen zu lösen und sich selbst zu akzeptieren.” – Anja Panse von Triple A Theater
Unerhört (Triple A Theater aus Potsdam), 13.03., 20 Uhr, Lindenpark, Eintritt: VVK 25 Euro, AK 30 Euro,www.lindenpark.de, www.triple-a-theater.de

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